Schieldiagnostik und -behandlung



Die Beweglichkeit der Augen wird mit einem Zeigestab oder einer Taschenlampe geprüft (Video: Tim Root)



Was ist Schielen?

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Als Schielen bezeichnet man eine kurzzeitige oder dauerhafte Fehlstellung der Augen. Dabei ist die Blickrichtung beider Augen nicht exakt auf dasselbe Objekt gerichtet. In den ersten 6 Monaten des Lebens erlernt ein Kind das beidäugige Sehen, so dass die Blickrichtung beider Augen manchmal "entgleist". Wichtig ist auch, das verdächtige Schielen von vorne zu beurteilen, bzw. ein Photo vom Kind zu machen, wenn es in das Smartphone guckt und den Kopf gerade hält.


Echtes oder scheinbares Schielen?

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Babyschielen

Unter Babyschielen versteht man das nur wenige Sekunden dauernde Üben der Konvergenz, d.h. das nach Innenwenden der Augen beim Nahsehen.

Fast jedes Neugeborene schielt gelegentlich. Doch bis zum Ende des vierten Lebensmonats sollte sich die zeitweise Fehlstellung der Augen ausgewachsen haben. Stehen nach dieser Zeit die Augen immer noch nicht parallel, spricht man in medizinischer Sicht von «Schielen».

Scheinbares Schielen

Ursache dafür ist oft eine kleine Hautfalte vor dem Lidwinkel bei der Nase, der sogenannte Epikanthus.

Das Augenweiss zur Nase hin erscheint dadurch viel kleiner als das Augenweiss im äusseren Augenwinkel oder es verschwindet ganz. Dadurch entsteht der Eindruck, dass das Kind nach innen schielt. Der Eindruck verwächst sich jedoch mit der Zeit.

Oft wird bei kleinen Kindern der Verdacht auf ein Schielen von den Eltern oder vom Kinderarzt geäußert. Der Augenarzt kann den Verdacht manchmal bestätigen. Häufiger stellt sich aber ein scheinbares Schielen heraus (breiter Nasenrücken, Epikanthus). Dies muss nur beobachtet werden. Am besten sollte auch eine Photodokumentation erfolgen, möglichst auch eine Videoskiaskopie, die beides beinhaltet.

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Echtes Schielen nach dem 6. Lebensmonat

Dagegen ist eine dauerhafte Fehlstellung auch im frühen Kindesalter keineswegs als normal anzusehen. Daher kommt es in diesen Fällen darauf an, das Kind möglichst frühzeitig einem Augenarzt vorzustellen. In der Regel ist nach dem 6. Lebensmonat das Zusammenspiel der Augen gefestigt, so dass dann auch nur ein zeitweises Abweichen der Augen ein Anzeichen für eine Störung sein kann.


Das frühkindliche Schielsyndrom

Beim frühkindlichen Innenschielen wird eine Fixation in Adduktion bevorzugt, d.h. das Kind blickt gerne mit dem nach innen schielenden Auge auf eine Person oder ein Objekt.


Schielbehandlung

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Beim Schielen wird das schlechtere Auge durch dosiertes Abkleben des guten Auges solange trainiert, bis es auch eine gute Sehschärfe erreicht hat. Dann erst erfolgt eine Schieloperation, um den Schielwinkel zu verkleinern. Die Schiel-Op kann aber das Sehen nicht verbessern, das kann nur durch das Ableben des starken Auges erfolgen.


Aufgabe der Eltern

Es ist die verantwortungsvolle Aufgabe der Eltern, das Kind während einer Okklusionstherapie und auch bei Verordnung einer Brille zu unterstützen, denn die eingeleiteten Massnahmen führen nur bei konsequenter Durchführung zum Erfolg.
Ein Kind bekommt sicherlich keine positive Einstellung zu seiner neuen Brille bzw. zur Klebebehandlung, wenn es deswegen von den Freunden und auch der Familie gehänselt wird.

Gerade die Eltern sollten in solch einem Falle dem Kind ihr Interesse an diesen Therapien zeigen. Es wirkt motivierend, wenn Fragen und Probleme des Kindes bei der Durchführung geduldig und ernsthaft erörtert werden.

Als weitere Unterstützung gibt es eine grosse Auswahl an lustigen, kindgerechten Brillen und auch Augenpflaster können mit bunten Klebebildern verschönert werden.

Oft hilft es, wenn auch der Teddybär oder die Puppe eine Brille trägt oder ein Auge zugeklebt hat. Natürlich stehen auch Augenarzt und Orthoptistin während der Therapie bei Fragen und Problemen zur Seite.