Mindestanforderungen „Sehen“ für EASA-Medical 1 (Piloten Klasse 1)


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Berufspiloten (Klasse 1)


Bestimmungen Medical Klasse 1 AMC1 MED.B.070 bzgl. Sehfähigkeit und MED.B.075 bzgl. Farbensehen bei Piloten Kl. 1

• Fernvisus MED.B.070 (c) und (e)
für jedes Auge mit oder ohne Korrektur mindestens 0,7; beidäugig 1,0.  Grenzwerte für die unkorrigierte Sehschärfe sind nicht festgelegt (e).


Refraktionsfehler AMC1 MED.B.070 (d)

Bei Erstuntersuchung gelten folgende Grenzwerte: eine Hyperopie von max. +5.0 Dioptrien;  eine Myopie von max. -6.0 Dioptrien und keine pathologischen Veränderungen an der Netzhaut. Überschreitet der Refraktionsfehler -3.0 oder +3.0 Dpt muss eine augenärztliche Nachuntersuchung alle 4 Jahre erfolgen. Eine Überschreitung von -6,0 Dpt. , ein Astigmatismus von über -3.0 Dpt oder eine Anisometropie von > 3.0 Dpt ist zulässig: wenn keine pathologischen Veränderungen an der Netzhaut bestehen; wenn die bestmögliche Korrektur getragen wird; wenn die Sehschärfe auf jedem Auge 6/6 (1.0) ist und ein normales Gesichtsfeld besteht beim Tragen der Brille. Eine Nachuntersuchung durch einen Augenarzt muss dann alle 2 Jahre erfolgen.

Bewerber mit Myopie über -6.0 Dpt sollten Kontaktlinsen tragen oder eine Brille mit hochbrechenden , entspiegelten Gläsern, um seitliche Gesichtsfeldverzerrungen zu minimieren. Bei einer Hyperopie von mehr als +2.0 Dpt und einem Alter unter 25 Jahren soll eine Untersuchung der Refraktion in Cycloplegie vorgenommen werden. Das Nachtsehen, Dämmerungssehen und Blendungssehen wird untersucht. Eine Beurteilung erfolgt nur nach refraktiven Eingriffen, es muss normal sein.
Besteht eine Anisometropie von mehr als 3.0 dpt, sollten Kontaktlinsen statt Brille getragen werden.

Nachuntersuchungen:
wird bei der Nachuntersuchung/ Erneuerung des Medicals eine Sehschärfe von weniger als 1.0/ 1.0 festgestellt, ist der Bewerber/ die Bewerberin dann weiterhin tauglich, wenn das binokulare Gesichtsfeld normal ist und die zugrundeliegende Pathologie nach Urteil des Augenarztes akzeptabel ist. Die Funktionsprüfungen sollen bei einer den Arbeitsbedingungen entsprechenden Umgebungsbeleuchtung erfolgen. Das bessere Auge muss einen Visus von 1.0 in der Ferne haben, einen Visus von mindestens 0.7 (6/9) im Intermediär- und Nahbereich, mit oder ohne Korrektion. Vom Zeitpunkt des Visusabfalls an muss eine ausreichend lange Zeit der Heilung vergehen, in der der Bewerber/ die Bewerberin nicht tauglich ist.

• Konvergenz AMC1 MED.B.070 (e)
Bewerber mit einer schwächeren Konvergenz sind tauglich, wenn der Wechsel zwischen Nahsehen (30 - 50 cm) und dem Sehen in mittlerer Distanz (100 cm) einwandfrei funktioniert, mit oder ohne Korrektur.

• Binokularsehen und Gesichtsfeld MED.B.070 (h)
Bewerber müssen ein normales Gesichtsfeld aufweisen. Erlaubt sind 2 Prismendioptrien vertikale Phorie; 10 PRDPT Esophorie und 8 PRDPT Exophorie in 6 Meter Entfernung und 1 Prismendioptrie vertikale Phorie; 8.0 PRDPT Esophorie und 12.0 PRDPT Exophorie in 33 cm Entfernung. Die Fusionsbreite muss ausreichend sein, so dass keine zeitweilige Diplopie oder Asthenopie besteht.

• Farbensehen/Farberkennung AMC1 MED.B.075
Das Farbensehen wird vor allen Tests zuerst durchgeführt. Geeignete Tests müssen normales Farbensehen ergeben.
Bei der Erstuntersuchung müssen Bewerber für Klasse 1-Piloten den Test nach Ishihara (24-Tafel-Test) bestehen. Sie dürfen also keine Farbsinnstörung wie Deuter- oder Protanomalie haben. Sie müssen die ersten 15 Tafeln, die in zufälliger Reihenfolge gezeigt werden, fehlerfrei erkennen. Nur wenn sie diesen Test nicht fehlerfrei bestehen, müssen sie erweiterte Tests bestehen: Anomaloskop oder Signallaterne. Beim Test am Anomaloskop muss Trichromasie mit normaler Einstellbreite (maximal 4 Skalenteilen) bestehen. Beim Signallaternentest sind 3 Laternentypen zugelassen: Spectrolux - Holmes und Wright - Beynes.


Tauglichkeit Piloten Kl. 1 nach Augenoperationen und bei Augenerkrankungen
Refraktiv-chirurgische Eingriffe AMC1 MED.B.070 (i) (1)
Die
präoperativen Werte dürfen + 5.0 Dioptrien und -6.0 Dpt nicht überschreiten. Weitere Forderungen: stabile Refraktionsverhältnisse, keine postoperativen Komplikationen, Blendempfindlichkeit normal, mesopische Kontrastsensitivität nicht beeinträchtigt. Wartezeit bis das Auge stabil ist (weniger als 0,75 Dpt. Schwankung am Tag).
Katarakt-Operationen AMC1 MED.B.070 (i) (2)
machen untauglich. Die Tauglichkeit kann nach 3 Monaten überprüft werden, eventuell auch früher.
Glaukom-Operationen und Netzhaut-Operationen AMC1 MED.B.070 (i) (3 und 4)
Die Tauglichkeit bei (i)(2, 3 ,4) kann
sechs Monate nach erfolgreicher Operation überprüft werden, eventuell auch früher. Bei den aufgeführten Augen-Operationen muss das LBA zur Nachbeurteilung nicht involviert werden!
Augenmuskel-Operationen AMC1 MED.B.070 (i) (5)
Eine Heilungszeit von 6 Monaten muss abgewartet werden und die augenärztliche Untersuchung muss einen zufriedenstellenden Befund ergeben.
Erworbener Sehschärfeverlust (f)
Bei
Inhabern von Lizenzen Klasse 1 und erworbenem Sehschärfeverlust durch Augenerkrankungen/Augenoperationen gelten Grenzwerte bzgl. des besseren Auges: Fernvisus 6/6 (1.0); Intermediärvisus N14 und Nahvisus N5.
Keratokonus (g)
Bewerber mit Keratokonus
dürfen zugelassen werden, wenn sie mit Kontaktlinsen die erforderlichen Grenzwerte bzgl. Visus erreichen und sollen in regelmäßigen Abständen vom Augenarzt untersucht werden.
• Brillenträger (j)
Brillenträger sollten Monofokalgläser oder Gleitsichtgläser tragen.
• Die Intervalle der augenärztlichen Untersuchung bei Klasse 1 sind abhängig vom Refraktionsfehler und vom Alter.
Erläuterungen: Intermediärvisus N14 bedeutet, der Visus in 1 m Entfernung (Intermediär-Visus) muss mindestens 20/40 oder 6/12 oder 0.5 sein. Nahvisus N5 bedeutet, der Nah-Visus muss in in 35-40 cm Entfernung mindestens 20/30 oder 6/9 oder 0.7 sein.




Tauglichkeit nach Augenoperationen

• Refraktiv-chirurgische Eingriffe AMC12 MED.B.070

Die Tauglichkeit kann überprüft werden unter folgenden Bedingungen: stabile Refraktionsverhältnisse, keine postoperativen Komplikationen, Blendempfindlichkeit  normal (1:2),  

• Cataract-Operationen AMC12 MED.B.070

Die Tauglichkeit kann überprüft werden, wenn das Auge wieder stabil ist. Etwa nach 3 Monaten postoperativ.

• Glaukom-Operationen AMC12 MED.B.070

Die Tauglichkeit kann überprüft werden, wenn das Auge wieder stabil ist. Etwa nach 3 Monaten postoperativ.

• Nach einer Augen-OP (Lasik, PRK, Cataract-OP) muss nachgewiesen sein:

Komplikationsfreiheit, stabile Refraktion, keine erhöhte Blendempfindlichkeit.


Welche Augenfehler machen untauglich für Klasse 1?

  • Klasse 1: Wenn die korrigierte Sehschärfe eines Auges unter 0.7 (70%) liegt. Farbuntüchtigkeit. Diplopie (Doppelbilder).

Was gilt bei Erneuerungsuntersuchungen?

Klasse 1 und 2: Liegt bei einer Verlängerungs- oder Erneuerungsuntersuchung die Sehschärfe eines Auges unter dem Grenzwert, wird der Proband/ die Probandin bei Kl. 1 an das LBA verwiesen, bei Kl. 2 an die lizenzausstellende Behörde.

Anforderungen Kl. 1 nach Augenoperationen

Nach

Refraktiv-chirurgischen Eingriffen AMC1 MED.B.070 (i) (1)
Die
präoperativen Werte dürfen + 5.0 Dioptrien und -6.0 Dpt nicht überschreiten. Weitere Forderungen: stabile Refraktionsverhältnisse, keine postoperativen Komplikationen, Blendempfindlichkeit normal, mesopische Kontrastsensitivität nicht beeinträchtigt. Wartezeit bis das Auge stabil ist (weniger als 0,75 Dpt. Schwankung am Tag).
Katarakt-Operationen AMC1 MED.B.070 (i) (2)
machen untauglich. Die Tauglichkeit kann nach 3 Monaten überprüft werden, eventuell auch früher.
Glaukom-Operationen und Netzhaut-Operationen AMC1 MED.B.070 (i) (3 und 4)
Die Tauglichkeit bei (i)(2, 3 ,4) kann
sechs Monate nach erfolgreicher Operation überprüft werden, eventuell auch früher. Bei den aufgeführten Augen-Operationen muss das LBA zur Nachbeurteilung nicht involviert werden!
Augenmuskel-Operationen AMC1 MED.B.070 (i) (5)
Eine Heilungszeit von 6 Monaten muss abgewartet werden und die augenärztliche Untersuchung muss einen zufriedenstellenden Befund ergeben.
Erworbener Sehschärfeverlust (f)
Bei
Inhabern von Lizenzen Klasse 1 und erworbenem Sehschärfeverlust durch Augenerkrankungen/Augenoperationen gelten Grenzwerte bzgl. des besseren Auges: Fernvisus 6/6 (1.0); Intermediärvisus N14 und Nahvisus N5.
Keratokonus (g)
Bewerber mit Keratokonus
dürfen zugelassen werden, wenn sie mit Kontaktlinsen die erforderlichen Grenzwerte bzgl. Visus erreichen und sollen in regelmäßigen Abständen vom Augenarzt untersucht werden.

• Die
Intervalle der augenärztlichen Untersuchung bei Klasse 1 sind abhängig vom Refraktionsfehler und vom Alter.

Was gilt bzgl. Brillen und Kontaktlinsen?

• Brillenträger (j) Kl. 1 und 2
Brillenträger sollten Monofokalgläser oder Gleitsichtgläser tragen. Multifokale Kontaktlinsen sind nicht zugelassen. Monovision ist nicht zugelassen. Sonnenbrillen sollen eine feste Tönung haben, keine phototropen Gläser.

Farbensehen

Farbensehen bei Kl. 1: Die ersten 15 von 24 Tafeln nach Ishihara müssen fehlerfrei erkannt werden. Farbtest bei Wiederholungsuntersuchung falls indiziert.